Mangelernährung im Alter erkennen

Ernährung im Alter – gibt es irgendwann nur noch Wähe und belegte Brote?

Eine provokante Frage. Und doch steckt ein ernster Kern dahinter. Denn wenn der Appetit nachlässt, Mahlzeiten kleiner werden und das Kochen beschwerlicher fällt, reduziert sich die Ernährung manchmal ungewollt auf das Einfachste. Schnell etwas Brot. Vielleicht eine Suppe. Hauptsache unkompliziert.

Doch genau hier beginnt das Risiko.

Denn während die Essmenge oft sinkt, steigt der Bedarf an bestimmten Nährstoffen – insbesondere an Protein. Bleibt dieser Mehrbedarf unbemerkt, kann sich schleichend eine Mangelernährung entwickeln.

Warum gerade ältere Menschen besonders gefährdet sind, welche Rolle Energie und Eiweiss spielen und wie wir im RPB mit gezielter Ernährungsberatung unterstützen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wenn dem Körper etwas fehlt

Eine Mangelernährung entsteht, wenn über längere Zeit zu wenig Energie, Protein oder Mikronährstoffe aufgenommen werden. Betroffen sein können nicht nur Kalorien und Eiweiss, sondern auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Oft zeigt sich das schleichend. Die Kleidung sitzt lockerer. Die Kraft lässt nach. Der Gang wird unsicherer. Vielleicht häufen sich Infekte oder Wunden heilen langsamer.

Besonders problematisch ist der Verlust von Muskelmasse. Muskeln sind im Alter wie ein Sicherheitsnetz. Sie geben Stabilität, schützen vor Stürzen und ermöglichen Selbstständigkeit. Gehen sie verloren, sinkt die Belastbarkeit spürbar.

In Schweizer Alters- und Pflegeheimen sind bis zu 34 Prozent der Bewohnenden von einer Mangelernährung betroffen. Das bedeutet: Rund jede dritte Person ist gefährdet oder bereits betroffen. Ernährung im Alter ist also kein Nebenschauplatz – sie ist zentral.

Weniger Appetit – höherer Bedarf

Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper. Der Energiebedarf sinkt leicht, der Bedarf an Protein hingegen steigt. Gleichzeitig nehmen Appetit, Geruchs- und Geschmackssinn oft ab. Medikamente, chronische Erkrankungen oder Schluckbeschwerden können das Essen zusätzlich erschweren.

So entsteht ein Ungleichgewicht. Weniger Aufnahme bei gleichzeitig höherem Bedarf.

Hier setzt eine gezielte Ernährungsberatung an. Denn es geht nicht darum, einfach «mehr» zu essen. Entscheidend ist, klug anzupassen.

Kleine Portion, grosse Wirkung

Wenn grosse Mahlzeiten überfordern, rückt die Nährstoffdichte in den Fokus. Das bedeutet: Mehr Energie und mehr Protein in einer kleineren Menge.

Mehrere kleine, nährstoffreiche Mahlzeiten können sinnvoller sein als ein grosser Teller mit wenig Substanz. Ein Rahmzusatz in der Suppe, etwas mehr Butter im Gemüse oder ein proteinreicher Snack am Nachmittag wirken unscheinbar – verbessern die Versorgung jedoch deutlich.

Fett liefert besonders viel Energie. Eine Rahmhaube auf Kaffee oder Dessert, Vollrahm in Suppen, Cremen, Currys oder Porridge oder zusätzliche Butter und Öl in Risotto, Pasta, Aufläufen und Gratins erhöhen die Energiedichte gezielt. Auch ein grosszügig bestrichenes Brot oder die Wahl fettreicherer Varianten von Käse, Fleisch oder Fisch tragen dazu bei.

Protein – Schutz für die Muskulatur

Protein ist lebensnotwendig. Es unterstützt den Aufbau und Erhalt von Muskelmasse, ist an der Bildung von Antikörpern und Hormonen beteiligt und spielt eine zentrale Rolle im Zellstoffwechsel.

Gerade im Alter gilt: Zu jeder Mahlzeit sollte eine proteinreiche Komponente enthalten sein. Empfohlen werden etwa 20 bis 30 Gramm Protein dreimal täglich. Der individuelle Bedarf kann je nach Gesundheitszustand steigen.

Geeignete Proteinquellen sind vielfältig. Dazu gehören Eier sowie Milchprodukte wie Käse, Quark oder Hüttenkäse. Fleisch und Fisch liefern hochwertiges Eiweiss. Ebenso wertvoll sind Nüsse und Kerne, Hülsenfrüchte sowie daraus hergestellte Produkte wie Tofu oder Tempeh. Auch Fleischersatzprodukte wie Quorn oder Planted können eine sinnvolle Ergänzung sein.

In Kombination mit gezielter Bewegung durch Physio- oder Ergotherapie lässt sich dem Muskelabbau wirksam entgegenwirken.

Ernährung im Alter im RPB

Im RPB arbeiten Pflege, Arztdienst, Ernährungsberatung, Logopädie, Hotellerie, Küche sowie Physio- und Ergotherapie eng zusammen. Bereits beim Eintritt wird mittels MNA-Screening ein mögliches Risiko für Mangelernährung erfasst.

Gemeinsam mit den Bewohnenden und bei Bedarf mit Angehörigen entwickeln wir individuelle Lösungen. Mahlzeiten werden angepasst, Konsistenzen verändert, Energie- und Proteingehalt gezielt erhöht. Die Massnahmen werden regelmässig überprüft und angepasst.

Im Zentrum steht immer die Lebensqualität. Nicht die perfekte Kalorienzahl, sondern das Wohlbefinden der Menschen, die bei uns leben.

Fazit: Mehr als nur Brot und Wähe

Ernährung im Alter bedeutet nicht Verzicht – sondern bewusste Anpassung.

Mit frühzeitiger Ernährungsberatung, erhöhter Energie- und Proteindichte sowie interprofessioneller Zusammenarbeit lässt sich Mangelernährung wirksam vorbeugen oder behandeln.

Denn gutes Essen ist kein Luxus. Es ist Grundlage für Kraft, Stabilität und Lebensfreude.


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